Zusammenfassung Organspende/Organtransplantation

 Im Jahr 2020 wurden in Österreich 672 Organtransplantationen durchgeführt, 52 davon mit Organen von Lebendspenderinnen/‐spendern und 620 mit Organen Verstorbener. Im Vergleich zum Jahr davor ist somit die Anzahl der Transplantationen mit Organen Verstorbener deutlich zurückgegangen (2019 waren es 720). Die Anzahl der Transplantationen unter Beteiligung von Lebendspenderinnen und ‐spendern ist besonders stark zurückgegangen (2019 waren es 90). Mit 31. 12. 2020 befanden sich 757 Personen auf den Wartelisten für eine Organtransplantation, elf Prozent weniger als im Vorjahr. 2020 wurden in Österreich 308 Verstorbene als potenzielle Organspender gemeldet, das sind 34,6 Spendermeldungen pro Million Einwohner/‐innen (Mio. EW). 188 dieser potenziellen Organspender wurden tatsächlich realisiert (21,1 Organspender pro Mio. EW), wobei pro Spender für gewöhnlich mehrere Organe entnommen werden. Dies bedeutet einen Rückgang gegenüber dem vorangegangenen Jahr bei den Spendermeldungen, allerdings nicht bei den tatsächlichen Organspendern (2019: 344 Spendermeldungen bzw. 38,8 pro Mio. EW; 180 realisierte Organspender bzw. 20,3 pro Mio. EW). 

Die Bundesgesundheitsagentur finanziert ein Förderprogramm für das Transplantationswesen, das von der GÖG umgesetzt und verwaltet wird. Im Bereich Organspende zielen die Maßnahmen schwerpunktmäßig darauf ab, dass in Krankenanstalten mit Intensivstationen Verstorbene als potenzielle Organspender erkannt und in weiterer Folge auch gemeldet und intensivmedizinisch betreut werden. Zu den Fördermaßnahmen zählen u. a. die Organisation unterstützender Erreichbarkeit (24/7) durch fünf regionale Transplantationsreferenten, die Tätigkeit lokaler Transplantationsbeauftragter (LTXB) in 21 Krankenanstalten, das Angebot mobiler Hirntoddiagnostik‐Teams in zwei Regionen, die Durchführung von Kommunikationsschulungen für das Gespräch mit den Angehörigen über die geplante Organentnahme u. v. m. Das Förderziel lautet, die Zahl der Spendermeldungen hoch zu halten und die Zahl der Organspenden auf ca. 30 pro Mio. EW zu erhöhen. Mit 34,6 Spendermeldungen pro Mio. EW hat Österreich dafür eine gute Ausgangsbasis, der Rückgang der Spendermeldungen gegenüber dem Vorjahr kann teilweise auf natürliche Schwankungen zurückgeführt werden. Wahrscheinlicher ist jedoch ein Zusammenhang mit der COVID‐19‐Pandemie, die 2020 weitreichende Auswirkungen auf das Geschehen in den Intensivstationen hatte (siehe auch Kapitel 3.1). Hinzu kommen Faktoren, die im Detail im Rahmen des LTXB‐Programms analysiert werden (siehe Kapitel 3.6). 

Umgekehrt ist der Anteil der Realisierungen von Organspenden nach Spendermeldungen deutlich gestiegen (2020: 61 Prozent im Vergleich zu 2019: 52 Prozent). Auf Basis der bisherigen Erfahrungen erscheint es sinnvoll, die bisherigen Maßnahmen des Förderprogramms fortzusetzen und insbesondere in den Bereichen DCD (donation after circulatory determination of death), ECD (extended criteria donation) und Informationsmaßnahmen/Wissenstransfer zusätzliche Impulse zu setzen. VI © GÖG/ÖBIG 2021, Transplant‐Jahresbericht 2020 Lebendspende‐Nachsorgeprogramm Nach dem Erlass der 370. Verordnung der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen betreffend Datenmeldungen im Zusammenhang mit dem Nachsorgeprogramm für Organ‐ und Stammzelllebendspender/‐innen starteten die jeweiligen Zentren die Dateneingabe mit 1. 1. 2018. Der hohe Grad an Vollständigkeit der Daten zeigt das große Interesse der zuständigen Zentren, den Lebendspenderinnen und Lebendspendern Zugang zu einer optimalen Nachsorge zu gewähren. 

Das Lebendspende‐Nachsorgeprogramm unterstützt die involvierten Zentren in den Bereichen Organ‐ und Stammzellspende in ihrer Aufgabe, Lebendspender/‐innen in Österreich anhand eines standardisierten österreichweiten Prozesses nachzubetreuen. In regelmäßigen Abständen und auf Basis von Freiwilligkeit werden die Lebendspender/‐innen zu Nachuntersuchungen eingeladen, um eine lückenlose Verlaufsdokumentation ihres Gesundheitszustands zu gewährleisten und frühzeitig etwaigen Folgeerscheinungen entgegenwirken zu können. Stammzellspende/Stammzelltransplantation Im Jahr 2020 waren in Österreich über 91.800 Stammzellspender/‐innen im nationalen Stammzellregister dokumentiert. Diese registrierten Spender/‐innen sowie die weltweite Vernetzung des Registers ermöglichen eine ausgezeichnete Versorgung der betreffenden Patientinnen und Patienten. 

Für fast 90 Prozent von ihnen kann eine Fremdspenderin / ein Fremdspender gefunden werden. Die Dauer, bis eine passende nichtverwandte Spenderin bzw. ein passender nichtverwandter Spender identifiziert wurde, lag im Jahr 2020 bei 25 Tagen (Median). Im Jahr 2020 zeigte sich erneut ein deutlicher Anstieg im Falle der Entnahmen bei österreichischen Spenderinnen und Spendern (43 im Jahr 2020 vs. 29 im Jahr 2019). 

Die hochauflösende Typisierung der HLA‐A‐, ‐B‐, ‐C‐, ‐DRB1‐ und ‐DQB1‐Merkmale gemäß internationalen Standards ermöglicht eine schnelle Identifizierung passender Spenderinnen und Spender und somit eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass eine österreichische Spenderin / ein österreichischer Spender für die Entnahme ausgewählt wird. Die Bestimmungen in den „Richtlinien über die Verwendung der Mittel zur Förderung des Transplantationswesens“, im Rahmen deren seit 2017 ausschließlich hochaufgelöste Ersttypisierungen gefördert werden, hat diesen positiven Effekt verstärkt, so dass bei österreichischen Spenderinnen und Spendern vermehrt entnommen wird. 

Blutstammzellen und Knochenmark werden in Österreich in insgesamt 13 Zentren transplantiert. Die Anzahl allogener Transplantationen ist mit 239 im Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr davor, trotz der COVID-19 Pandemie gestiegen, wohingegen die Zahl der autologen Transplantationen mit 352 gegenüber 395 Behandlungen im Jahr 2019 deutlich zurückgegangen ist, und zwar um 10,9 Prozent.

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